Internetabhänigkeit – Ins Netz gegangen

Online Abhängigkeit, Behandlung, PVZ Dr. Jonkisz

Dass die Anzahl der Menschen, die ein regelrechtes Suchtverhalten in Bezug auf das Internet entwickeln, stetig ansteigt, ist keine Neuigkeit. Was das jedoch gerade für die Jüngsten unserer Gesellschaft für Implikationen hat, stellt die Pädagogik und Psychologie vor neue Herausforderungen.

Zunächst ist es wichtig zu wissen, dass zwischen verschiedenen Formen der Internetabhängigkeit differenziert wird. So gibt es nicht nur die gemeinhin bekannte Sucht nach sozialen Netzwerken wie beispielsweise Facebook oder die weniger im Alltag thematisierte Online-Sexsucht, sondern auch die Computerspielsucht (Internet Gaming Disorder, kurz IGD), um nur einige anzusprechen.

Im heutigen digitalen Zeitalter beginnt die Mediennutzung schon von Kindesbeinen an – sei es die Jagd nach kleinen Phantasiewesen oder das Bewirten eines virtuellen Bauernhofs. Problematisch ist dies insofern, dass häufig kein klares Maß in Bezug auf die Nutzung existiert. Dies kann unter anderem daran liegen, dass die Eltern selbst ein dysreguliertes Nutzungsverhalten praktizieren.

Schwierig ist die nähere Betrachtung des immer häufiger auftretenden Phänomens deshalb, weil die Zusammenhänge zwischen dem Internetnutzungsverhalten und der Entwicklung einer Störung bisweilen sehr subjektiv und komplex sind und langfristige Folgen bis jetzt nur ungenügend erforscht sind. Dennoch konnten neben psychischen Störungen einige Risikofaktoren ausgemacht werden, die die Entwicklung einer Internetabhängigkeit begünstigen, so beispielsweise junges Alter, Arbeitslosigkeit, Migrationshintergrund, soziale Ängstlichkeit und ein reduzierter Selbstwert.

Vor dem Hintergrund der Psychotherapie ist dies insofern spannend, als dass Internetabhängigkeit als anerkannte klinische Diagnose bisweilen noch strittig ist. Zudem mangelt es an Screeninginstrumenten, weswegen eine Anamnese viel Zeit in Anspruch nimmt und nicht immer zu einem eindeutigen Ergebnis führt. Hier besteht auch zukünftig noch ein großer Bedarf an Forschung.

Doch was ist zu tun, um dem diffusen, digitalen Teufelskreis zu entkommen? Bert te Wildt, Oberarzt der Ambulanz der Klinik für Psychosomatik und Psychotherapie des LWL-Universitätsklinikums der Ruhr-Universität Bochum, rät dazu, sich täglich analoge Zeiträume einzurichten. Kam es in der Vergangenheit bereits zu einer Abhängigkeit, empfiehlt te Wildt gar die vollkommene Abstinenz vvom Internet. Denn selbst die kontrollierte Nutzung sei ein stetiger Kampf.

Um es jedoch gar nicht erst so weit kommen zu lassen, bestehen verschiedene Präventionsangebote wie beispielsweise ins-netz-gehen.de. Des Weiteren gibt es im Folgenden für Interessierte auch die Möglichkeit, einen Ratgeber anzufordern (www.usk.de/usk-broschueren), um sich aktiv mit der Thematik auseinanderzusetzen, denn wie bereits Aldous Huxley wusste: „Tatsachen schafft man nicht dadurch aus der Welt, dass man sie ignoriert“.

 

Quelle: https://www.aerzteblatt.de/archiv/184492/Internetabhaengigkeit-Dem-realen-Leben-entschwunden